Wie mein Mann Gewicht verlor und ich es gefunden habe

Mein Mann ist nämlich so ein Intervallfaster. Allerdings wusste er das nicht, bis ihm die gute Ehefrau (das bin ich) von diesem Konzept berichtete. Da rief er überrascht: „Aber das mache ich doch schon seit Jahren!“ Tja. So einfach ist Intervallfasten, wenn man nicht darüber liest, sondern es einfach nur tut.

Wobei mein Mann nicht ordentlich intervallfastet; er trinkt nämlich morgens Kaffee mit Milch. Das gilt nicht, wenn man Puristen und Ernährungsmethodendogmatiker befragt. (Sie sagen das übrigens auch, wenn man sie nicht fragt.)

Er trinkt also morgens ein bis zwei Gläser Milchkaffee und raucht ordentlich dazu. Dann passiert lange Zeit ernährungstechnisch gesehen nichts. Bis er dann entweder von einem Kollegen zum Essen ausgeführt wird oder wieder nach Hause kommt. Dann isst er. Irgendwas. Was halt gerade so da ist: Stollen, Käsebrötchen, auch mal ein großes Stück Stracke. Oder er hält noch ein wenig durch, bis er Abendessen gekocht hat.

Weil er wenig am Schreibtisch sitzt und oft alte Gebäude renoviert, verbraucht er entsprechend Kalorien – und baut Muskeln auf, ohne jemals einen Fitnessclub von innen gesehen zu haben.

Dabei nimmt er natürlich ab und sieht dabei so gut aus, dass ein hart trainierender Mittdreißiger wahrscheinlich vor Neid erblassen würde. Dieses von ihm verlorene Gewicht finde ich regelmäßig. Ich kann ja nicht intervallfasten. Ich muss essen. Oft und süß. Dann bin ich auch noch eine Frau jenseits der vierzig, und damit ist im Grunde genommen alles vorbei, was arbeitslos schlank und schön macht. Es ist auch völlig egal, wo ich die Waage hinschleppe, sie zeigt immer ungefähr das gleiche Gewicht. Auch in der nächstgelegenen Sauna wurde das freundliche Gerät, das ich gern nach ein paar Saunagängen und ohne Frühstück besucht habe, durch ein boshaft veranlagtes Modell ersetzt.

Denken Sie jetzt nicht, dass ich nichts tue! Ich gehe zweimal den Hund lüften, mache frühmorgens haufenweise Sonnengrüße und nutze manchmal sogar meine Freeletics-App. Danach habe ich natürlich wieder Hunger. Es ist ein nicht enden wollender Kreislauf aus Nahrungsaufnahme, Bewegung, Alterungsprozess und dem Versuch, mich dagegen zu wehren.

Ich könnte es natürlich positiv sehen: Mein Mann und ich nähern uns sozusagen aneinander an. Was ja schön ist. Trotzdem hätte ich, was das Körpergewicht betrifft, doch lieber eine große Kluft zwischen uns. Wenn das nämlich so weitergeht, werde ich mich scheiden lassen müssen, damit ich keine Depressionen bekomme.

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