Was gesunde Eiweißshakes mit potenzsteigernden Mitteln zu tun haben

Vor kurzem habe ich beschlossen, dass ich meinem feiermorgendlichen Drang nach süßen Backwaren Einhalt gebieten muss. Denn seit ich als Backwarenchauffeurin arbeite, spielt sich jeden Vormittag ein Drama in meinem Kopf ab, dem es ein Ende zu setzen gilt:

Frühmorgens befiehlt mir mein innerer vernünftiger, gesundheitsbewusster Teil, heute aber wirklich nichts mit nach Hause zu nehmen, sondern stattdessen allenfalls eine Scheibe Vollkornbrot mit Magerquark samt einer dekorativ darauf angerichteten Cherrytomate zu verspeisen. Ich gehorche. Bis ca. 8:30 Uhr. Dann hat der Duft nach frischen Brötchen, Hefezöpfen und Schmandkuchen mich mürbe gemacht, ich krieche auf dem Zahnfleisch meiner Willensstärke, mein innerer Zuckerjunkie fesselt und knebelt Fräulein Schlank & Vernünftig und übernimmt das Kommando.

Zu den Verlockungen der frischen Backwaren gesellt sich zu allem Überfluss im Laufe meiner Tour noch Gutes von Gestern, und wenn ich mir diese armen, unschuldigen Kirsch-Quark-Törtchen, Rosinenschnecken und Streuselkuchenstückchen angucke, kommen mir fast die Tränen; ich muss zumindest ein paar von ihnen retten.

Befehlsverweigerung und Rettungsaktionen gingen natürlich nicht spurlos an meiner Taille vorbei, und deswegen musste das aufhören.

 

Erstens kann ich nicht jedes Quarkbällchen retten, und zweitens muss auch einmal die Vernunft gewinnen dürfen.

Seit letzter Woche mache ich mir also frühmorgens einen Eiweißshake und transportiere den Becher in einer niedlichen kleinen Stofftasche mit Herzchen drauf. Jedesmal, wenn ich mein Täschchen an einem meiner Kollegen vorbeitrage, erhasche ich ein verschmitztes Grinsen, freue mich, dass man sich über meinen Anblick freut, stelle das Täschchen auf den Frühstückstisch und gehe meiner Arbeit nach.

Heute, also eine Woche, nachdem ich das erste Mal meinen Shake durch die Backstube getragen habe, fragt mich einer der Kollegen, wer in meiner Familie denn Erektionsprobleme hätte. Ich schaue ihn verständnislos an, er deutet auf mein Täschchen, grinst von einem Ohr zum anderen und sagt: „Das da. Potenzkram. Lies doch mal die Webadresse.“

Ups. Ich hatte nur die Herzchen gesehen.

Später versuchte ich, der Sache auf den Grund zu gehen. Meine Schwiegermutter, die auch nicht wusste, wie das Täschchen in unseren Küchenschrank geraten war, versicherte mir glaubhaft, dass sie es nicht eingeschleppt hätte.

Aber bevor ich jetzt die ganze Familie anrufe und frage, wer von denjenigen, die in den letzten Monaten zu Besuch waren, für ein Mittel gegen Erektionsstörungen Werbung läuft, packe ich das Täschchen lieber wieder weg und trage meinen Shake in einem neutralen Beutel zur Arbeit.

Übrigens funktioniert es großartig: Ich habe schon zweimal fast kein Rosinenbrötchen gegessen!

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