Laufen oder nicht laufen, das ist hier die Frage!

Das Blümchen oben soll meine Unentschlossenheit illustrieren; denn statt mir ernsthafte Gedanken über Sinn und Unsinn einer Marathonteilnahme zu machen, könnte ich ebensogut an dem berühmten Gänseblümchen herumzupfen, ganz nach dem Motto: „Er liebt mich, er liebt mich nicht…“ Dass ich es nicht tue, ist der Tatsache geschuldet, dass die gerade alle unter einer frischen Schneedecke verschwunden sind.

In zehn Wochen hätte ich ihn hinter mir, meinen dritten Bilstein-Marathon. Und wenn das so wäre, hätte ich vor einem Lauf noch nie so wenig und so uninspiriert trainiert. Deswegen wäre es ein absoluter Blödsinn, das auch nur in Erwägung zu ziehen geschweige denn mir auf den letzten Metern noch einen überambitionierten Trainingsplan zu verpassen. Andererseits ziehe ich es aber in Erwägung. Weil ich erstens Lust dazu und zweitens jemand angestachelt habe, mit mir zusammen ins Ziel einzulaufen. Außerdem würde mir die immer so schön gestaltete Medaille 2018 fehlen und eine Reihe unterbrechen… (Für Nicht-Marathonis: Die gibt es fürs Ankommen; glauben Sie nicht, dass ich außerdem noch Ambitionen hätte, zu den Ersten zu gehören! Ich will nur überleben und Spaß haben!)

Es wohnen tatsächlich die berühmten zwei Seelen – ach! – in meiner Brust. Nein, richtig genommen pendeln sie zwischen meinen Füßen und dem Gehirn. Wenn ich laufe, könnte ich die viel zitierten Bäume ausreissen, vor lauter Freude laut mitsingen, herumbrüllen, mich mit den anwesenden Kühen unterhalten… Aufgrund meiner immer noch nicht ausgeheilten Insertionstendopathie (zu deutsch: schmerzhafte Entzündung oder Reizung im Sehnenansatzbereich) im Fuß konnte ich nicht viel und auch nicht lange laufen. Ich habe mich in den letzten paar Wochen über „3 Minuten gehen – 2 Minuten laufen“ zu „5 Minuten gehen – 10 Minuten laufen“ bis auf „5 Minuten gehen – 25 Minuten laufen“ gesteigert. Meinen Höhepunkt hatte ich am letzten Sonntag; da bin ich sage und schreibe 12,5 Kilometer gelaufen! like-2195024__340 Boah, ey! Wäre ich Volldepp in meiner Euphorie nicht über eine vereiste Wiese getobt, hätte sich mein Fuß vielleicht auch für weitere 2,5 Kilometer benommen…

An einen Marathon, der neben den allein schon ambitionierten 42,195 km auch noch 1150 Höhenmeter aufweist, zu denken, hat da schon etwas Kamikazeartiges. Andererseits habe ich diesen Rhythmus (5 Minuten gehen – 25 Minuten laufen) am Sonntag schon zweimal hintereinander geschafft. Das müsste ich ja nur noch neunmal machen. Das sollte doch möglich sein!

Das sind meine Gedanken während des Laufens und bevor der Fuß wieder anfängt zu zicken. Meine Gedanken bei aufgeräumtem und von Rennendorphinen unbeeinflusstem Gehirn sehen anders aus: „Du hast vier Monate freiwillig und etwas mehr als zwei Monate verletzungsbedingt ausgesetzt. Jetzt an einen Marathon zu denken ist absoluter Blödsinn!“ Oder auch: „Eine Sehnenreizung ist eine Überlastungserscheinung und will ausgeheilt werden. Und danach besorgst du dir gefälligst ordentliche Sporteinlagen und fängst langsam wieder an!“ Und dann noch: „Du bist drei Marathons gelaufen und hast dir bewiesen, dass du es kannst. Ist es nicht jetzt auch gut damit?“

Das klingt alles sehr vernünftig. Trotzdem antwortet mein inneres Kampfschwein auf solche Überlegungen ungefähr so: „Na und? Einer der Klitschkos hat nach einem Bandscheibenvorfall noch im gleichen Jahr wieder geboxt!“, „Wer bei mir Körper sein will, muss sich zusammenreißen können!“, „Sporteinlagen sind für Jungs! Ich brauche diesen Scheiß nicht. Mein Körper regeneriert sich von allein! Hat sich ja auch von allein verletzt!“ Und eben auch: „Ich wollte mindestens 100 Marathons in meinem Leben gelaufen sein. Das werde ich mit einem bis zwei pro Jahr wohl nicht schaffen. Und Scheiß auf meinen Körper!“

Solche inneren Dialoge führe ich. Und komme einfach zu keinem Ergebnis. Frollein Vernunft gegen Herrn Kampfschwein. Oder auch Bescheidenheit gegen gnadenlose Selbstüberschätzung. Wenn ich dann noch diesen Motivationskram im iPod habe, wird es ganz schlimm mit dem Kampfschwein.

Und nein, ich möchte bitte KEINE RatSCHLÄGE!!! Die nützen mir erstens nicht, machen mir zweitens schlechte Laune und führen drittens dazu, dass ich den RatSCHLÄGER nicht mehr leiden kann. Ich wollte das jetzt einfach nur mal so erzählt haben. Falls Ihnen solche Zweikämpfe im Gehirn bekannt vorkommen, nicken Sie einfach und streicheln mir virtuell übers Köpfchen. Wenn Sie ein Mann sind, können Sie das wahrscheinlich nicht und stehen schon mit dem gedanklichen Werkzeugkoffer bereit. Aber das ist ein anderes Thema und wird ein andermal behandelt. Ich gehe jetzt erst einmal laufen.

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