Als Fett noch böse war und Kohlenhydrate nicht dick machten

Ach, wie sehne ich mich nach der Zeit zurück, in der ich glauben durfte, dass die Wissenschaft mit ihrer Ernährungsforschung durch sei! Damals hieß es, solange man Fett vermeidet, sei alles gut, und es könne einem selbst und der Figur nichts passieren. Heidi Klum machte Werbung für Joghurt Gums, auf den Verpackungen von Süßigkeiten stand „< 1 g Fett“ oder sogar „fettfrei“. candy-2154985__340

Und es funktionierte tatsächlich: Ich schaufelte von diesem Zeugs in mich hinein, bis mir schlecht wurde, und ich nahm nicht zu!

Dann kam die Wissenschaft und erzählte allen, die es hören wollten oder auch nicht, dass jetzt auch die Kohlenhydrate böse wären. Man müsse sie meiden wie der Teufel das Weihwasser. Aber nicht nur die – auch das Fett sei weiterhin der Feind der guten Figur. Und – schwupps! – nahm ich zu. Ich konnte keine Weingummipackung mehr ansehen, ohne sofort 500 Gramm mehr auf den Hüften zu haben.

Das ist es nämlich, was die Ernährungswissenschaft macht: ungutes Gefühl beim Essen, und von dem nimmt man zu! Außerdem verhindert sie erfolgreich jeden Genuss, und am Ende schleichen Millionen von übergewichtigen Menschen durch die Gegend, die immer noch fressen wie die Scheunendrescher, es aber nicht mehr genießen, sondern zu ihren überflüssigen Kilos auch noch ein dauerhaft schlechtes Gewissen mit sich herumtragen.

Und deswegen behaupte ich: Die Wissenschaft ist böse! Es sind nicht die Kohlenhydrate und auch nicht die Fette, die uns fett machen, sondern diese unnatürliche Form der Nahrungsaufnahme, die wir uns über die Jahrzehnte angewöhnt haben, seit wir eine Diät nach der anderen machen und überhaupt nicht mehr schmecken, was wir essen, weil wir ja damit beschäftigt sind, die Nährstoffdichte zu bestimmen.

Okay, bei mir ist es ein bisschen auch das Alter; wir bekommen nämlich nicht nur alle möglichen Krankheiten, wenn wir nur fest genug daran glauben, wir werden auch immer dicker, wenn wir nicht weniger essen und/oder uns mehr bewegen als mit dreißig. Ist Scheiße, aber ist so.

Deswegen bin ich gestern auch gelaufen. Dabei habe ich mich auf die Klappe gelegt und mir die Hand verstaucht. Die linke Hand, um genau zu sein. Ich kann keinen Löffel mehr halten, und das verhindert, dass ich mich – als Linkshänderin – über dieses schweineleckere Eis hermachen kann, das sich im Kühlschrank befindet.

Hand-Aua
Unter dem Schwarz ist es quietschblau. Aua.

Genau das könnte die Lösung für uns alle, die wir über dreißig sind, sein: Mehr laufen, dabei immer mal wieder hinfallen und zumindest für ein paar Tage nicht das essen können, was uns dick machen würde, wenn wir nicht gelaufen und hingefallen wären.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s