Nicht Sie sind das Problem, sondern die Filme im Fitnessclub!

Liebe Leserin, lieber Leser,

bevor ich Sie tröste und Ihnen schreibe, dass wirklich alles gut bei und mit Ihnen ist, erzähle ich Ihnen eine kleine Geschichte.

Ich war heute beim Training in meinem bevorzugten Fitnessclub. Auf der Trainingsfläche befinden sich geschätzte 120 Bildschirme, auf denen ununterbrochen Filmchen laufen: Sie zeigen schöne, junge, trainierte Menschen, die Crossfit machen. Aber auch schöne, junge, trainierte Menschen, die Gewichte stemmen. Manchmal zeigen sie schöne, junge, überschlanke weibliche Mensche, die in knappgeschnittener Mode herumspazieren.

Ich hatte gerade herausgefunden, dass meine lädierte Schulter es mir nicht erlaubt, eine Langhantel zu stemmen. Ohne Gewicht… Weiterhin hatte ich den kapitalen Fehler gemacht, mich seitlich zum Spiegel zu stellen.

Ich, im übertragenen Sinne.

Kurz, ich musste irgendwo anders hingucken. Und hatte keine Chance, den hunderten aufgehängten Bildschirmen, auf denen sich die oben beschriebenen schönen, jungen, trainierten Menschen tummelten, zu entkommen. Ich blickte mich um: Etwa 50% der Trainierenden war 50+, ca. 50% kämpften gerade tapfer gegen ihr Übergewicht an.

Später, während ich mich auf dem Stepper zu vergnügen versuchte, lief ein weiteres Filmchen: Eine langhaarige Schönheit mit Brüsten, die entweder Atomdünger abbekommen hatten oder von einem guten Chirurgen aufgepumpt worden waren, stolzierte im knappen Trainingsoutfit durch ein Studio und machte mal diese, mal jene Übung. Wenn die Kamera nicht beobachtete, wie diese beiden Mordsmöpse aus dem Top quollen, schlich sie sich von hinten an und filmte den Arsch der Schönheit.

Spätestens hier trat die zutiefst frustrierte und angesichts dieser Bilder gefühlt um 10 Kilo zu schwere Backwarenchauffeurin kurz in den Hintergrund und ließ die Alt-Emanze ran. Und die hatte große Lust, die langhaarige Schönheit, die ganz offensichtlich Training und Porno verwechselt hat, KameraMANN (es ist garantiert einer!), Regisseur und Produzenten in einen großen Sack zu stecken und mit einem Baseballschläger so lange draufzuschlagen, bis sie alle im Jahr 2019 angekommen wären, dem Jahr, in dem Frauen riesige Trucks fahren, bei der Bereitschaftspolizei Demonstranten erschrecken, boxen, Präsidentin, Ministerin, Bundeskanzlerin oder Parteivorsitzende werden oder Chefin des internationalen Währungsfonds.

Altemanze ab. Auftritt Backwarenchauffeurin. Diese stellt die berechtigte Frage, warum in diesen Filmen nicht einmal die Heerscharen von fitten Trainierenden um die 50 mit grauen Haaren gezeigt werden. Warum ich mir keinen Film von Rosie Swale Pope ansehen darf, die mit 57 Jahren einmal um die Welt gelaufen ist. Oder den drei steinalten Indern beim Zieleinlauf ihres x-ten Marathons.

Eines, liebes McFit, kann ich Dir versprechen: Der demographische Wandel wird auch an Dir nicht spurlos vorbeigehen. Und dann wirst Du froh sein, wenn Dich einer dieser fitten Fiftysomethings auch nur mit seinem trainierten Arsch anguckt!

Das, was ich da hochrecke, ist übrigens ein amtlicher Stinkefinger. Das fand ich nach 42,195 km auf Sand gerechtfertigt. Ich war übrigens 52 Jahre alt…

Deswegen, seien Sie, liebe Leserin, lieber Leser bitte voller Selbstbewusstsein angesichts dieser Flut von zumeist bearbeiteten Bildern von vermeintlich makellosen Menschen – ein paar Falten machen ein Gesicht doch erst interessant! Und haben wir es wirklich nötig, dem Schönheitsideal hinterherzulaufen, dass irgendein verpickelter und verklemmter Nerd in seinem Kämmerchen gebastelt hat? Nö!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s