Warum Sie keine guten Vorsätze fassen sollten

Okay, wir sind über die Zeit der guten Vorsätze schon fast wieder hinaus; die ersten Mitgliedschaften im Fitnessclub werden bereut, und man hat die gute Entschuldigung, dass es um diese Jahreszeit auch immer viel zu voll dort ist. Außerdem wurde man ja quasi zur Mitgliedschaft gezwungen, weil irgendein wohlmeinender Bekannter einem so einen blöden Monatsgutschein geschenkt hat.

Aber vielleicht gibt es unter Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, noch die Eine oder den Anderen, die sich wie ich sagen: „Verdammt, erst Mitte Januar, und schon bin ich wieder da, wo ich Ende Dezember aufgehört habe – nur drei Kilo schwerer!“ Na, sehe ich da ein zustimmendes Nicken? Ein schuldbewusstes Verziehen des Gesichtes? Wenden Sie sich auch immer noch mit Grausen von Waage und/oder Ihrem Spiegelbild ab und denken sich: „Ach, Mist!“

Ich verrate Ihnen, was sinngemäß in meinem Tagebucheintrag vom 1. Januar 2018 steht: „Mehr trainieren, vernünftig essen, innerhalb von zwei Monaten vier bis fünf Kilo abnehmen, jeden Tag zweimal das Frl. Frieda lüften, jeden Tag drei bis vier Stunden schreiben, mindestens zwei Bücher veröffentlichen.“

Ende Dezember 2016 habe ich geschrieben: „Ich will 2017 endlich wieder 59,5 kg wiegen, mindestens 6 Marathons und ein paar Halbmarathons laufen, zwei bis drei Bücher schreiben und meine Website neu gestalten.“

Am 1. Januar 2019 findet sich in meinem Tagebuch der folgende Eintrag: „Ich will dreimal die Woche trainieren, viermal laufen, jeden Tag mindestens zwei Stunden mit Frl. Frieda raus, vier Stunden schreiben, Ende April den BiMa Ultra laufen, davor noch in Cuxhaven den Marathon. Ich will keine Süßigkeiten essen und bis Ostern 59,5 kg wiegen.“

Natürlich fasse ich auch alljährlich bis -wöchentlich den Vorsatz, mich ab jetzt aber wirklich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren. Aus Gründen des Tierwohls. Weil ich Tiere viel zu gern mag, um sie selbst abzumurksen. Also wäre es doch auch nur konsequent, sie auch dann nicht zu essen, wenn ein Anderer das für mich erledigt hat und ich nur noch eine Folie aufreissen muss.

Aus diesen Einträgen können wir schließen, dass ich seit 2017 mehr als 59,5 kg wiege, sonst müsste ich nicht jedes Jahr schreiben, dass ich abnehmen will. Und ich kann Ihnen verraten, dass auch andere Vorsätze, die ich während der letzten Jahre formuliert habe, nicht in der gewünschten Form eingetreten sind. Manchmal habe ich meinen Hintern einfach nicht hochbekommen. Oft war etwas anderes dran, was sich im Nachhinein aber als wichtig herausgestellt hat.

Manchmal habe ich aber auch munter und ohne die Spur eines schlechten Gewissens die eine oder andere Familienpackung Eis, mehrere Tafeln Schokolade (und ich meine nicht die gesunde mit hohem Kakaoanteil!) und immer mal wieder einen leckeren Burger oder ein Jägerschnitzel verspeist.

Nein, gute Vorsätze sind nichts für mich – jedenfalls in dieser Form!

Letzte Woche, während des Dauerregens, lag ich einmal mehr lustlos und netflixend auf der Couch vor mich hin, habe Schweinereien gefuttert und mich deswegen über mich selbst geärgert. Glücklicherweise muss man als Hundekumpel ja immer mal wieder nach draußen, egal, wie das Wetter ist. Und bei einem dieser Spaziergänge kam mir eine Idee:

Warum eigentlich lasse ich einem Tag nicht die Chance, sich zu entwickeln? Es gibt doch wahrlich genügend feste Termine und Zeiten, an denen ich nichts oder nur wenig ändern kann. Wenn es ein fauler Tag werden möchte, könnte ich ihm doch ein bisschen entgegenkommen. Die aktiven Tage kommen erfahrungsgemäß spätestens nach zwei faulen ganz von allein. Manchmal tut so ein Tag auch erst so, als wolle er faul sein, um dann gegen Ende noch einmal eine wilde Dynamik zu entwickeln. Dann muss ich auf einmal Trampolin springen, doch noch laufen oder stundenlang an einem Newsletter oder einem Kapitel basteln. Das würde ich aber gar nicht merken, wenn ich mich nur darüber ärgere, dass ich keine Häkchen an meine To-Do-Liste machen kann.

Einfach das tun, was gerade dran ist. Dann aber richtig, mit Energie, Enthusiasmus und Hingabe. So wie Frl. Frieda: Wenn Schlafen dran ist, liegt sie verquer in ihrem Korb und pennt. Das kann sich ganz schnell ändern, wenn sie den Briefträger hört. Dann ist wild und gefährlich dran. Hat sie den armen Kerl ordnungsgemäß in Todesangst versetzt, legt sie sich wieder hin und pennt weiter. Ja, ich könnte von Frl. Frieda und ihren Kollegen manches lernen…

Ausruhen, hingebungsvoll und enthusiastisch.



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