Eine einfache Lösung, wie es gelingt, das zu tun, was man tun will

Vor kurzem habe ich einen Online-Kurs gebucht. Mit exklusiver Facebook-Gruppe. Ich wollte endlich vom Prokrastinieren ins Tun kommen. Und da dachte ich, wenn mir ein kluger Mensch sagt, wie ich das machen soll und ich mich mit anderen klugen Menschen austauschen kann, müsste es doch endlich klappen mit dem Arschbewegen.

Das Gehirn ist gerade nicht im Bild. Es sucht noch den Weg…

Denn wenn der Arsch vorweg läuft, sollte mein Gehirn doch auch den Weg finden. Nicht umsonst heißt es in vielen Motivationsratgebern: „Move your ass and your mind will follow.“ Oder frei übersetzt: „Fang an, du faule Sau!“

Das hätte möglicherweise auch funktioniert, wenn ich nicht den Umweg über den Online-Kurs gemacht hätte. Denn da war ja dieser Experte. Der würde mir ja sagen, was ich zu tun habe. Da konnte ich ja warten, bis der Kurs losgeht. Da musste ich doch nicht jetzt schon anfangen, um danach vielleicht alles noch einmal neu zu machen.

Also habe ich mich für die Facebook-Gruppe angemeldet (was auch nicht problemlos vonstatten ging, weil ich mit diesem Medium nicht klarkomme), mich dort erst einmal vorgestellt, die Beiträge der anderen Teilnehmer/innen gelesen, versucht, die Systematik zu verstehen, sicherheitshalber meine Privatsphäre überprüft, genervt aufgegeben beim Versuch, personalisierte Werbung loszuwerden…

Inzwischen ist der Kurs gestartet. Der Experte scheint sein Wissen in kleine, sehr kleine, verdauliche Häppchen zu verpacken, ich sehe mir täglich ein 20-minütiges Filmchen an und erledige derweil meine Buchhaltung. Muss ja auch gemacht werden.

Was ich nicht getan habe: Das, wofür ich den Kurs gebucht hatte. Aber das haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich bestimmt schon gedacht und grinsen gerade im Kreis, weil Sie das auch kennen. Geben Sie es zu!

Was passiert: Der Experte wird mir mit jedem Filmchen unsympathischer. Inzwischen zähle ich die Stoppeln an seinem Kinn, finde, dass er eine unreine Haut hat und irgendwie ungepflegt aussieht. Während er spricht, versuche ich die Buchtitel im Hintergrund zu erkennen und kaue an meinen Fingernägeln, wenn ich nicht gerade ganz etwas anderes mache.

Was ich immer noch nicht getan habe: Das, wofür ich diesen Kurs… Sie wissen schon…

Das halte ich auf den ersten Blick für eine Sauerei! Da nimmt der Kerl mein gutes Geld und bringt mich nicht dazu, das zu tun, wofür ich ihn bezahle! Was für ein besch… Kursleiter!

Bliebe ich jetzt ohne einen zweiten Blick in mich hinein auf dieser Gedankenspur, würde ich wahrscheinlich nie anfangen. Blöderweise kenne ich mich inzwischen – und auch die kleinen Tricks, mit denen ich mich gern selbst in die Irre führe.

Die erfolgreiche Gegenmaßnahme kenne ich glücklicherweise auch: Anfangen. Mit irgendetwas. Das im Idealfall mit dem zu tun hat, was ich eigentlich tun will.

Diesen Kurs jedenfalls brauche ich nicht. Ich werde nur wenig bis nichts Neues lernen. Was ich brauche, ist ein kräftiger Tritt in den Hintern.

Wenn Sie bitte so nett wären?

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