Was „Rambo – Last Blood“ und der Besuch eines Rockkonzerts gemeinsam haben

Liebe Leserin, lieber Leser,

bevor ich eine These aufstelle, folgende Frage an Sie: Waren Ihnen schon einmal eine oder mehrere Personen so zuwider, dass Ihnen auf Anhieb sieben Tötungsarten eingefallen sind? Nein? Sie sind zutiefst überzeugte Pazifist/in? Dann können Sie jetzt frühstücken gehen. Der folgende Text ist nicht für Sie geeignet.

Allen unter Ihnen, die gerade wild mit dem Kopf nicken, erzähle ich die folgende Geschichte, die sich am Freitag, dem 4. Oktober zugetragen hat:

Mein lieber Mann und ich besuchten anlässlich unseres 5. Hochzeitstages ein Konzert von Tito & Tarantula. Kennen Sie nicht? Müssen Sie kennenlernen! Hier: https://www.youtube.com/watch?v=h4Wigl1uaqI.

Direkt neben uns befanden sich ein paar junge Menschen. Sie waren laut und schrill, wollten scheinbar nur sich selbst feiern, aber die ganze Umgebung daran teilhaben lassen, und wir fanden sie von Anfang an zutiefst unsympathisch.

Dann betraten Tito & Tarantula die Bühne. Alle wandten sich dem dortigen Geschehen zu. Alle? Nein, die jungen Menschen in unserer Nachbarschaft waren weiter laut und schrill und feierten sich selbst. Erste Tötungsphantasien schwirrten durch mein limbisches System.

Das limbische System befindet sich ungefähr mittschiffs, gleich hinter dem Großhirn und dient der Verarbeitung und Entstehung u.a. von Triebverhalten. Ich bin sicher, auch meine Tötungsphantasien haben dort ihren Ursprung.

Die Band war laut und gut. Die jungen Menschen neben uns waren lauter und Scheiße. Einige andere Altersgenoss/innen schauten sich nach ihnen um und schienen meine oder zumindest ähnliche Gedanken zu denken. Wenn sie nicht lauthals schnatterten und lachten, spielten sie an ihren Handys herum. Vom Geschehen auf der Bühne konnten sie nicht viel mitbekommen.

Mein lieber Mann war der Erste, der sie darauf hinwies, dass es sich hier um ein Rockkonzert und keine Selbstdarstellungsbühne handelte. Das funktionierte. 10 Minuten lang…

Ich hatte zwei Tage zuvor den neuen Rambo im Kino gesehen. Im letzten Drittel hatte der Film an Fahrt aufgenommen, und es gab eine Menge kreativer Tötungsmethoden zu bestaunen. Viele davon tummelten sich jetzt in meinem Kopf. Eine Machete, wie Rambo sie hatte, wäre fein. Vor meinem inneren Auge spritzte das erste Blut auf den Boden der Konzerthalle. Pumpgun? Pfeil und Bogen? Die Szene mit den lichterloh brennenden Bösewichten war auch schön.

Multitasking ist eine großartige Fähigkeit: Ich konnte gleichzeitig das Konzert genießen und die Vorstellung, wie ich die meisten dieser Tötungsarten an diesen nichtsnutzigen Zeitgenossen ausprobieren würde.

Noch einmal sah ich mich nach den jungen Menschen um und war ein bisschen neidisch auf die Möglichkeiten, die ein John Rambo hatte.

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