Die Welt wartet darauf, dass Sie widersprechen – und ich bin bei Ihnen!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Kennen Sie das: Wenn Sie sich etwas merken müssen, aber nichts zur Hand haben, um es zu notieren, sprechen Sie laut vor sich hin. Brummeln zum Beispiel beim Einkaufen die ganze Zeit „Brötchen, Butter, Käse, Brötchen, Butter, Käse…“ in Ihren (evtl. nicht vorhandenen) Bart.

Genau das hat mein Chef gestern auch gemacht. Er ging murmelnd an mir vorbei. „Bananen, Kakao, Bananen, Kakao, Bananen, Kakao…“ hörte ich. Ob es geholfen hat, diese beiden Backzutaten auch mitzubringen, konnte ich nicht mehr überprüfen; ich war mit meinen eigenen Aufträgen unterwegs.

Das Chefgemurmel hat mich an ein Erlebnis aus meiner Kinderzeit erinnert: Meine Großmutter hatte mir etwas Geld in die Hand gedrückt und mich zum Bäcker (ja, Bäckereien ziehen sich durch mein Leben wie ein roter Faden!) geschickt, um Hefestückchen zu kaufen. „Hefestückchen“ hießen in unserer Familie Gebäckteile, die heutzutage als „Plunder“ verkauft werden.

Ich marschierte los und murmelte dabei vor mich hin: „Hefestückchen, Hefestückchen, Hefestückchen…“ Die freundliche Verkäuferin beugte sich über ihren Thresen. „Na Kleine, du brauchst Hefestücke? Wie viele denn?“ Ich rechnete. „Fünf bitte!“ antwortete ich – und erhielt prompt fünf Stücke Backhefe. Das kam mir komisch vor. Deswegen habe ich noch einen Moment gewartet, ob sie mir auch noch von den leckeren Puddingteilchen geben würde, die mich hinter dem Glas anlachten. Tat sie aber nicht.

Hefestückchen…
Hefestückchen…

Weil ich erstens gedacht habe, dass Erwachsene schon wissen, was sie tun und meine Oma vielleicht einen Kuchen backen würde und dafür die Hefestückchen gebraucht hatte, und weil ich mich zweitens nicht getraut habe, die Verkäuferin zu korrigieren, legte ich die paar Pfennige für die Hefestücke auf den Thresen und trug sie nach Hause. Die Hefe, nicht die Verkäuferin.

Meine Oma hat sehr gelacht, als ich dort ankam und schickte mich noch einmal los, um die richtigen Stückchen zu kaufen.

Und die Moral von der Geschicht‘? Widersprechen Sie! Widersprechen Sie immer dann, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt oder Sie Gefahr laufen, nicht das zu bekommen, wofür Sie zu bezahlen bereit sind! Bringen Sie Ihren Kindern so viele Widerworte wie möglich bei, sobald diese zu sprechen anfangen! Sagen Sie ihnen, dass Erwachsene mitnichten immer wissen, was Sie tun. Wäre das so, müssten nicht Zehntausende von Jugendlichen Freitags die Schule schwänzen, weil sie Angst um ihre Zukunft haben.

Nein!

Ich könnte jetzt noch philosophisch werden und etwas über Wahrheiten schreiben, die bei jedem Menschen ganz anders aussehen. Das lasse ich aber bleiben. Es geht aufs Wochenende zu. Außerdem ist Black Friday. Aber gerade deswegen noch einmal der dringende Rat: Überprüfen Sie, ob das, was Ihnen verkauft werden soll, auch das ist, was Sie wollen! (Ob Sie das, was Sie wollen, auch brauchen, klären wir ein andermal.)

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