trainiere, esse gut und ausreichend

Wer schon ein paar meiner Beiträge gelesen hat, ist möglicherweise zu dem Entschluss gekommen, dass ich verzweifelt versuche, abzunehmen und irgendwie Sport zu machen. Das stimmt. Außerdem finde ich täglich gute Gründe für diese Quälerei im Tiefkühlfach oder geheimen Schubladen.

Das führt dann zu guten Vorsätzen, die regelmäßig scheitern, wenn ich mich wieder einmal von einem besonders einsam wirkenden Schmandkuchenrand erweichen lasse und ihn zu den anderen in meinem Bauch tue.

Meine Laufpläne scheitern allerdings selten: In den letzten Jahren bin ich drei Marathons (zweimal den so genannten BiMa mit ca. 1050 Höhenmetern und einmal den North Sea Beach Marathon, der ausschließlich auf Sand stattfindet) und mehrere Halbmarathons gelaufen, außerdem verbringe ich einen großen Teil meines Lebens in der Muskelbude und trotze nach wie vor einigermaßen erfolgreich dem Alterungsprozess.

Warum ich mich mit all diesen Ernährungs- und Trainingsdogmen auseinandersetze, hat den einen einfachen Grund: Mir eines schönen Tages beweisen zu können, dass es am besten ist, auf mein Körpergefühl zu hören und streng nach dem Lustprinzip vorzugehen.

Das alles begann damit, dass mir der Sportunterricht in der Schule jegliche Lust am Sport ausgetrieben hatte und ich nach dem Abitur zunächst zehn Jahre lang sportabstinent blieb. Das funktionierte gut, bis ich ein Foto von mir im Bikini sah.

Mein erster Besuch in einem Fitnessclub nur für Frauen endete damit, dass ich mich für eine Zwei-Jahres-Mitgliedschaft angemeldet und nach kurzer Zeit „richtig“ Bodybuilding gemacht habe. Außerdem wollte ich Bankdrückweltmeisterin werden; das scheiterte aber daran, dass sich ab einem gewissen Gewicht (der Hantelstange) keine Frau mehr fand, die mir hätte Hilfestellung geben können. Ich habe trotzdem einige Jahre lang wie bekloppt trainiert, einfach nur aus Spaß, dazu gegessen, worauf ich gerade Lust hatte und mir gegen das schlechte Gewissen literweise Proteinshakes hinter die Binde gekippt.

Irgendwann verliebte ich mich in einen Läufer und Squasher. Habe mir das Squashspielen beibringen lassen, bin vor lauter Begeisterung gleich in den örtlichen Verein eingetreten und habe mich über jeden Punkt gefreut, den ich gegen den Mann meines Herzens gewinnen konnte. Viele waren das nicht… Squashen kann man aber nicht jeden Tag, wenn einem nicht der Club gehört oder man im Geld schwimmt. Also habe ich mich zweimal die Woche ordentlich ausgepowert und war es zufrieden.

Als ich das Laufen für mich entdeckt hatte, bin ich monatelang nur gelaufen. Weil ich außerdem geraucht habe, war das anfangs nicht ganz so einfach; aber ich habe mich nach und nach von 200 Metern am Stück mit Lunge-aus-dem-Leib-husten bis zum ersten 10-km-Volkslauf vorangekämpft. Und den bin ich gleich in 44 Minuten gerannt, weil ich so schrecklich euphorisch war. Irgendjemand sagte hinterher zu meiner Lauftechnik: „Wenn du nicht soviel Zeit in der Luft verbringen würdest, wärest du wahrscheinlich noch schneller.“ Wollte ich aber nicht sein. Ich wollte viel lieber hüpfen beim Laufen.

Und dann kam eines schönen Tages meine erste Aerobic-Stunde. Fortan wusste ich, woran ich mein Herz zu hängen gedachte. Weil ich ein gründlicher und begeisterungsfähiger Mensch bin, habe ich das gleich zum Beruf und alle möglichen Trainerscheine gemacht. Es endete mit einem eigenen Fitnessclub, einer Fitness-Performance-Group, mit der ich regelmäßig aufgetreten bin und sehr viel später einem lädierten Knie.

Zwischendrin habe ich ambitioniert Billard gespielt, für einen Feuerwehrwettkampf trainiert (was mir einen üblen Bandscheibenvorfall eingebracht hat) und bin trotz der vielen schönen Sportarten immer wieder aufs Laufen zurückgekommen. Dabei kann ich nämlich mein Gehirn lüften. Deswegen laufe ich Marathon; da habe ich ausreichend Zeit dafür.

Während all meiner sportlichen Experimente habe ich mich vegetarisch, später sogar vegan ernährt, eine Zeitlang streng ayurvedisch gelebt, um in Phasen des Krafttrainings zum Fleisch (vorzugsweise rohem) zurückzukehren. Ich habe gläserweise Nutella, Erdnussbutter und Ovomaltine gefuttert, dazu mit viel Käse überbackene Nachos und vegetarischer Bolognese verspeist, literweise Bier getrunken – und ich nahm nicht zu. Hach, war das schön!

Heute, in Zeiten der Laktoseintoleranzen, Glutenunverträglichkeiten, Allergien und sonstigem Zivilisationskram ist es unglaublich schwierig, sich noch „vernünftig“ zu ernähren, was für mich gleichbedeutend mit „echtem“, also industriell nicht verarbeitetem Essen ist. Genauso schwierig ist es, einer Sportart nachzugehen, weil sie Spaß macht, nicht, weil sie gerade hip ist und ohne sich gleich für Hunderte von Euronen das passende Equipment zulegen zu müssen.

Es wimmelt von Dogmen. Es gibt Paleo-, ketogene, vegane, vegetarische, frutarische und andere -ische Ernährung; man schwört auf Glyx, Low Carb, Power-Food und detoxt regelmäßig. Es gibt HIIT (High Intensity Interval Training), Funktional Fitness, Crossfit, Piloboxing (eine Mischung aus Pilates und Boxen, also ein Widerspruch in sich), Freeletics, Yogilates… Alle behaupten von sich, den Stein der Weisen gefunden zu haben und verteidigen ihren vermeintlichen Olymp des Wissens, Körperkults und der dadurch erzeugten Glückseligkeit mit Zähnen und Klauen.

Das nervt mich. Deswegen probiere ich jetzt einfach mal alles aus und berichte Ihnen darüber. Natürlich habe ich auch eine These diesbezüglich: Es gibt kein allgemein gültiges, für alle passendes Ernährungs- oder Fitnesskonzept. Aber es gibt Spaß. Und der sollte im Vordergrund stehen. Schön, stark und begehrenswert wird man dann von ganz allein.

Aber ich greife vor. Das muss ich ja erst noch beweisen.

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