Intervallfasten macht schön, schlank, gesund und glücklich! (Teil II)

Morgens halb vier in Whausen. Der erste Tag meines Intervallfastens. Ich verkneife mir mein morgendliches Milchkaffeeritual, koche ganz normalen Kaffee und trinke ihn schwarz. Bereite mir einen Liter heißes Wasser zu und trinke auch das.

Ich habe Hunger. Um diese Uhrzeit habe ich niemals Hunger. Aber jetzt habe ich brüllenden Hunger. Ich male mir in den schönsten Farben aus, was ich alles gegen 11:30 Uhr essen werde. Etwas Gesundes natürlich. Vielleicht Haferflocken mit Trockenobst. Oder ein Rührei mit Vollkornbrot und Cherrytomaten. Vorweg natürlich einen grünen Smoothie, vorzugsweise mit kleingeraspeltem Ingwer drin, wegen des Entgiftungseffektes.

Ich habe Hunger. Ich habe ernsthaft Hunger. Es wird halb fünf, ich mache meine morgendlichen Yogaübungen. Es wird halb sechs, und ich fahre zur Arbeit in die Backstube. In so einer Backstube riecht es gern einmal nach frischen Backwaren. Was mir normalerweise überhaupt nichts ausmacht und auch mein Hungergefühl in keiner Weise beeinflusst. Heute geht mir der Geruch auf die Nerven, vor allem aber den knurrenden Magen, und ich merke einen ersten, leisen Anflug von schlechter Laune.

Dem ich natürlich nicht nachgebe, denn ich tue mir ja gerade etwas Gutes! Ich lebe gesund, jetzt, in diesem Moment! Ich mache Intervallfasten. Ja, ich tue mir etwas Gutes! Ich werde schlank sein, ich werde schön sein, ich werde jung sein!

Ich habe Hunger.

Gegen neun kreisen abwechselnd Rosinenbrötchen und Kettensägen vor meinem inneren Auge, meine Kollegen haben mich nicht mehr lieb, weil ich so rumzicke, ich finde meinen Mann blöd, weil der einen Shake hat und ich nicht, und ich beginne mich ernsthaft zu fragen, ob es wirklich so wichtig ist, schlank, schön und jung zu sein. Bin ich halt fett, hässlich und alt. Mir doch egal! Selbst wenn ich jetzt in meinem Alter auf einmal schön und gesund wäre, würde ja keine Sau gucken, weil ich keinem männlichen Beuteschema mehr entspreche. Ausnahme sind vielleicht ein paar alte Säcke in der Sauna. Pah. Lohnt sich überhaupt nicht, der Aufwand!

Will ich jetzt wirklich dieses elende Intervallfasten machen? Ich, freiheitsliebender Mensch, der ich bin? Will ich mich wirklich freiwillig einschränken? Wer hat sich diesen Scheiß überhaupt ausgedacht? Das kann doch nicht gesund sein, nur acht Stunden am Tag etwas zu essen! Das kann nicht gesund sein! Als ich noch jung war und anfing, mich mit Ernährungs- und Trainingswissenschaften auseinanderzusetzen, wurden viele kleine Mahlzeiten postuliert. Je mehr, desto besser. Damals liefen wir Bodybuilder alle mit Tupperdosen durch die Gegend, darin Hüttenkäse oder totes Huhn auf Reis und gedünstetem Gemüse. Und heute soll das alles Quatsch sein? Wo sind denn diese vermaledeiten Wissenschaftler abgeblieben, die sich das ausgedacht haben damals?

Intervallfasten – so ein Blödsinn!

Naja, zweieinhalb Stunden werde ich ja wohl noch durchhalten. Ich muss einfach nach Feierabend sofort die Hunde nach draußen zerren und lange genug mit ihnen durch den Regen rennen.

Habe ich durchgehalten? Leben meine Kollegen und mein Mann noch? Bin ich schlank, schön und jung geworden? Das erfahren Sie demnächst an dieser Stelle.

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